Einordnung
Das Eigenmietwert-Ausist gerade dabei, vieles in Bewegung zu bringen. Bei manchen entsteht einspürbarer Druck: Arbeiten am Haus sollen lieber „noch schnell“ erledigt werden,bevor sich Rahmenbedingungen verändern. Bei anderen führt es zum Gegenteil: Manwartet lieber ab, weil zu viele Fragen offen wirken.
Beides istverständlich. Und beides hat einen gemeinsamen Haken: Es führt selten zu einemruhigen, stimmigen Projekt. Im Bestand ist nicht die Geschwindigkeitentscheidend, sondern die Reihenfolge. Wer sich am Anfang ein paar einfacheLeitplanken setzt, bekommt Klarheit und schützt Budget und Nerven.
Dieser Beitrag ist alsGuideline gedacht. Keine Fachsprache, kein Einschüchtern. Sondern ein Weg, derLaien sicher durch die ersten Entscheidungen führt.
Begriffserklärung
VieleMissverständnisse (und viele unnötige Kosten) entstehen, weil drei Begriffedurcheinandergeraten. Sobald du sie trennst, wird das Projekt automatischeinfacher. Du weisst dann zumindest, was du eigentlich tust.
Renovationheisst: sichtbar auffrischen. Du erneuerst Oberflächen, ohne die Substanzwirklich anzufassen. Neue Böden, neue Farben, ein Bad „optisch neu“, eineKüche, die wieder Freude macht. Renovation fühlt sich direkt gut an – und istgenau dann richtig, wenn das Haus im Hintergrund technisch stabil ist.Renovation macht schön.
Sanierungheisst: das Haus technisch und energetisch fit machen. Hier geht es um Heizung,Fenster, Dämmung, Leitungen, Feuchte, Abdichtungen. Sanierung ist weniger„instagramable“, aber sie entscheidet darüber, ob das Gebäude langfristigzuverlässig funktioniert. Und sie beeinflusst fast immer, obRenovationsarbeiten später Bestand haben. Sanierung macht fit.
Umbau heisst:Räume und Nutzung verändern. Grundrisse werden angepasst, Abläufe verbessert,manchmal werden Wände versetzt oder tragende Elemente berücksichtigt. Umbauschafft neue Wohnqualität – hat aber auch die grösste Wechselwirkung mit allem,was man „schon schön gemacht“ hat. Umbau macht neu.
Chance: Struktur
Struktur klingttrocken – ist aber genau das, was Unsicherheit reduziert. Es geht nicht darum,alles durchzuplanen. Es geht darum, die richtigen Entscheidungen in derrichtigen Reihenfolge zu treffen.
In der Begleitungstartet ein Projekt deshalb nicht mit Offerten und nicht mit einzelnenBauteilen. Es startet mit Einordnung: Was ist der Zustand, was ist das Ziel,und welche Art Projekt führt eigentlich? Viele Vorhaben sind Mischformen – abersie brauchen eine klare Führung. Wenn zum Beispiel die Technik am Lebensendeist, führt die Sanierung. Wenn der Grundriss nicht mehr passt, führt der Umbau.Und wenn alles technisch gesund ist und es wirklich um Oberfläche geht, führtdie Renovation.
Sobald diese Führungklar ist, entsteht der ruhigste Teil des Projekts: die Priorisierung. Gemeinsamwird herausgearbeitet, was MUSS, was SOLL und was NICE ist. Nicht als starresRaster, sondern als Entscheidungshilfe. MUSS schützt Substanz und verhindertSchäden. SOLL bringt das Haus auf ein sinnvolles Niveau bei Komfort undEnergie. NICE rundet ab – ohne dass die Funktion davon abhängt.
Das Entscheidendedaran: Plötzlich hängt nicht mehr alles an allem. Du kannst Massnahmen sinnvollbündeln, in Etappen denken, Budgets sauberer halten und Timing realistischerplanen. Und du investierst dort, wo die Wirkung wirklich zählt statt dort, wo esnur schnell sichtbar wird.
Risiko: Aktionismus
Aktionismus ist seltenlaut. Er ist eher dieses Gefühl: „Jetzt machen wir einfach mal etwas, dann istwenigstens etwas erledigt.“ Das ist menschlich und genau deshalb so häufig.
Typisch beginntAktionismus dort, wo man es täglich sieht: Böden, Küche, Bad, Wände. DasErgebnis ist zunächst positiv. Doch im Hintergrund bleiben die Themen, die mannicht sieht und die später die Oberflächen wieder einholen: Heizung, Leitungen,Fenster, Feuchte, Abdichtungen. Sobald diese Themen auftauchen, wird’skompliziert. Dann muss geöffnet, zurückgebaut, provisorisch gelöst oder doppeltbezahlt werden.
Noch schmerzhafterwird es, wenn ein Umbau-Wunsch nachträglich entsteht: offenere Küche, bessererEingang, Homeoffice, ein Raum mehr. Dann wird sichtbar, dass viele „schöne“Entscheidungen nicht neutral sind. Sie schränken Optionen ein. Und plötzlichist man nicht mehr frei, sondern gebunden an Dinge, die eigentlich erst amSchluss hätten kommen sollen.
Aktionismus kostetnicht nur Geld. Er kostet vor allem Ruhe – weil das Projekt sich anfühlt, alswürde es einen steuern, statt umgekehrt.
Fazit
Das Eigenmietwert-Ausist ein Anlass, über das eigene Haus neu nachzudenken. Der bessere Hebel istdabei nicht das Tempo, sondern die Klarheit. Wenn Begriffe sauber sind und dieReihenfolge stimmt, entsteht ein Projekt, das sich gut anfühlt: überschaubar,logisch, steuerbar.
Struktur heisst nicht,dass alles kompliziert wird. Struktur heisst, dass du zuerst ordnest und erstdann investierst. Genau so wird aus einem Impuls eine verlässlicheEntscheidung.



